Ayurveda: Impfen ist nicht unayurvedisch!

Mittlerweile ist Mitte Juli. Und es läuft immer noch etwas schief im Land. Verhärtete Fronten stehen sich erbittert gegenüber. Gegenstand der Auseinandersetzung: Die Frage der Impfung gegen das Corona-Virus. Was wir mit Ayurveda von Corona lernen können, habe ich bereits thematisiert. Aber wie steht der Ayurveda eigentlich zu Impfungen im Allgemeinen – und zur Impfung gegen das Corona-Virus im Speziellen?

Zuträgliche Entscheidung treffen – im Ayurveda essenziell

Um ayurvedisch eine zuträgliche Entscheidung treffen zu können, müssen wir zunächst einmal unterscheiden. Das gilt für die Entscheidung für oder gegen eine Impfung ebenso wie für alles andere. Wir benötigen also Daten und Fakten zur aktuellen Lage, Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, Selbsterfahrungen und die Fähigkeit der logischen Schlussfolgerung. Ohne diese „Erkenntnismittel“ ist eine wirklich gesunde Entscheidung schwer möglich. Und genau hier liegt das Problem:

  • Welchen Daten, Fakten und Erfahrungswerten können wir vertrauen?
  • Wer interpretiert die Zahlen und aus welcher Motivation heraus?

Politiker und Wissenschaftler jedenfalls haben sich seit Beginn der Pandemie leider nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wie oft widersprachen sie sich selbst und ließen Eigeninteressen erahnen. Der Gipfel war die persönliche Bereicherung an Maskendeals.
Dieses Verhalten schürte Misstrauen und zerstörte bei Vielen das wichtigste Gut in Krisenzeiten: Vertrauen. In der Folge erhielten Verschwörungstheorien einen idealen Nährboden, was heute bei so manchem Impfgegner die Argumentation prägt – und die (respektvolle) Kommunikation zwischen Impfgegnern und Impfbefürwortern erschwert bis unmöglich macht. Ganz zu schweigen davon, dass Verschwörungstheorien den Blick für Daten, Fakten und eigene Erfahrungen trüben, und das Fällen zuträglicher Entscheidungen verhindern.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Gestern erhielt ich einen Anruf einer „Interessentin“ an einer Erstkonsultation. Anstatt ihr gesundheitliches Anliegen in den Mittelpunkt zu stellen, galt ihr Fokus der Frage, ob bei mir Maskenpflicht herrsche und ich somit der Corona-Diktatur folgen würde. Das wäre für sie ein Ausschlusskriterium. Wir lebten in einer „Heil-Merkel“ Diktatur, in der wir nun für Freiheit kämpfen müssten. In diesem Moment brach ich das Gespräch ab und vergab keinen Termin.

Nicht der Virus ist das eigentliche Problem. Viren gab es immer, Pandemien auch. Sie wurden bereits in der Caraka Samhita vor 2.000 Jahren beschrieben. Sich durch Abstand halten vor einer Infektion zu schützen, stand ebenfalls in den Klassikern. Das ist doch nur natürlich.

Unser Problem liegt im Katastrophisieren und dem daraus resultierenden panischen Verhalten. Viele haben verlernt, ihren eigenen Sinnen zu trauen und Ereignisse logisch zu hinterfragen. Stattdessen verfolgen sie täglich die weltweiten „Kennzahlen“ und lesen eine Studie nach der anderen, ohne sie wirklich verstehen und kontextualisieren zu können. Wenn wir auf Studien von „Aerosol-Forschern“ angewiesen sind, um zu verstehen, dass sich Viren in geschlossenen Räumen leichter verbreiten als in freier Natur, dann haben wir ein massives Problem!

Corona-Impfung im Ayurveda: falsch oder richtig?

Kommen wir zur aktuellen Frage nach der Impfung: Ja oder Nein? Vorab eine Selbstoffenbarung: Ich bin seither impfkritisch. Das heißt nicht, dass ich Impfungen grundsätzlich ablehne. Ich prüfe für mich persönlich aber genau, welche Impfung wirklich nützlich und welche überflüssig ist.

Als ich vor fast 30 Jahren erstmalig nach Indien reiste, empfahl mir das Tropeninstitut einen ganzen Blumenstrauß an „Schutz“impfungen: Nebst Auffrischung von Tetanus und Polio sollte ich mich gegen Hepatitis A und B, Cholera, Typhus sowie Meningokokken impfen lassen. Und zudem Malariaprophylaxe einnehmen. Die damalige Schutzwirkung gegen Cholera wurde mit 35% und gegen Typhus mit etwa 50% angegeben.

Ich dachte nach und stellte mir folgende Fragen:

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass ich meinen natürlichen „Feinden“ tatsächlich begegne?
  • Wenn ich ihnen begegne, was habe ich ihnen entgegenzusetzen?
  • Wenn sie stärker sind als meine Abwehr und ich entsprechend erkranke, wie gut lässt sich die Akutkrankheit therapieren?
  • Ist die Krankheit vital bedrohlich?
  • Heilt die Krankheit komplett aus oder muss ich vielleicht mit Nachwehen oder Komplikationen rechnen – und wie gut wären diese behandelbar?

Nach längerem Abwägen entschied ich mich für Tetanus, Polio und Hepatitis A – und gegen den Rest.

Corona-Impfung: ayurvedische Leitfragen für die Entscheidung

Ein ähnliches Vorgehen ist auch hinsichtlich der angebotenen Corona-Impfung ratsam. In meiner Praxis frage ich zuerst nach der Impfhistorie und dann nach dem Gesundheitszustand und Lebensstil:

  • Wogegen wurden Sie bereits geimpft, welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren bisherigen Impfungen gesammelt?
  • In welchem Zustand befindet sich aktuell Ihr Immunsystem? Neigen Sie zu überschießenden Immunantworten oder Autoimmunkrankheiten?
  • Liegen Vorerkrankungen vor?
  • In welchem Ernährungs- und Allgemeinzustand befinden Sie sich?
  • Welchen Lebensstil pflegen Sie?

Die zehnfache ayurvedische Untersuchung (Dashavidha Pariksha) eignet sich hervorragend, um individuell abzuwägen und eine persönlich zuträgliche Entscheidung zu treffen. Ergänzend können wir im Rahmen einer Berufs-, Familien- und Sozialanamnese auch mögliche Kontakte und Expositionen erfassen. Zuletzt spielt der geistige Zustand eine wichtige Rolle: Eine Impfung kann bei Manchen Ängste und damit verbundenes Vermeidungsverhalten reduzieren – bei Anderen geschieht genau das Gegenteil.

Dass wir früher oder später Kontakt zu SARS-CoV-2 haben werden, gilt als sicher. Eigentlich müssen wir uns daher nur eine Frage stellen: Möchte ich eine natürliche Infektion durchleben oder durch eine Impfung vorab Antikörper produzieren, die im Falle eines Kontaktes direkt wirken können? Beide Wege haben Vor- und Nachteile.

Ayurveda ist der Weg der Mitte

Impfen ist nicht unayurvedisch. Ungeimpft zu bleiben auch nicht. Genauso wenig wie Fleisch essen, Operationen erhalten, Antibiotika oder Cortison einnehmen.

Natürlich sind all diese Maßnahmen ayurvedisch nicht gewünscht, aber eben manchmal erforderlich. Ein System wie Ayurveda muss die Größe besitzen, eigene Grenzen zu erkennen und zum Wohle des Patienten zu handeln. Die Schulmedizin ist kein Gegner, sondern unser Partner.

Ayurvedisch ist einzig und allein der goldene Weg der Mitte, aus der heraus wir individuelle, uns zuträgliche Entscheidungen treffen können. Wir können unser Immunsystem stärken, indem wir es zunächst nicht mehr durch unzuträgliche Ernährung und Lebensweise schwächen. Durch Einsatz von immunmodulierend wirksamen Rasayana Methoden lassen sich Anfälligkeiten verringern und akute Infekte leichter überwinden.

Es gibt kein richtig und falsch, gut und schlecht, gesund und ungesund. Die Sprache des Ayurveda unterscheidet „zuträglich“ von „unzuträglich“. Ob, wann und was für wen zu- oder abträglich ist, analysiert ein erfahrener Ayurveda Arzt. Dabei ist er auch bereit, persönliche Glaubenssätze zu überwinden.

Extremismus jeglicher Art hat im Ayurveda keinen Platz.

An dessen Stelle sollten Toleranz und Respekt für unterschiedliche Meinungen und Entscheidungen treten – das gilt für die aktuelle Impfdebatte ganz besonders.

WhatsApp
Facebook
Twitter
LinkedIn
E-Mail

Studienberatung

Fragen zu Deinem persönlichen Weg?

Nutze auch die Möglichkeit eines persönlichen Video-Calls mit Ralph.

Nächste Seminare