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VORBEREITUNG VON AYURVEDA KUREN IN INDIEN & SRI LANKA

Seit Jahren erfreut sich der Gesundheitstourismus zunehmend großer Beliebtheit und Ayurveda Kuren in den Ursprungsländern Indien und Sri Lanka haben Hochkonjunktur.

Zahlreiche Vorteile gegenüber deutschen Kureinrichtungen erscheinen auf den ersten Blick verlockend: angenehmeres Klima, günstigere Preise, höhere Therapiedichte, größere Verfügbarkeit ayurvedischer Arzneien, freundlicheres Personal und besser ausgebildete Ayurvedaärzte – und das Ganze auch noch häufig gepaart mit Urlaubsgefühlen, Sonne, Strand und Meer.

Ayurvedakuren

Diesen Argumenten entgegen stehen Reisestrapazen, Zeit- und Klimaumstellung, Infektionsgefahren, Hygienemängel, Komforteinschränkungen, fehlende psychologische Betreuung und häufig unzureichende medizinische Notfallversorgung.

Wie lässt sich eine Ayurveda Kurreise optimal planen und welche Bedeutung hat die medizinische Vorbereitung in diesem Zusammenhang? In unserer Checkliste für Kurgäste und Therapeuten finden Sie wertvolle Antworten.

Medizinische Ayurveda Kuren sind keine „OTC-Produkte“

OTC steht für „over the counter“ und bezieht sich auf Direktbuchungen über Kataloge oder Websites ohne professionelle vorherige Konsultation durch einen ayurvedischen Kurmediziner. Für alle medizinisch orientierten Kurreisen ist dies unverantwortlich!

Es gibt zahlreiche Kontraindikationen für spezielle Kurprogramme wie Panchakarma, die bei Missachtung zu erheblichen Nebenwirkungen führen können.

Jede Kurplanung sollte daher im Heimatland mit einer diagnostischen Erstaufnahme beginnen, bestehend aus Anamnese und körperlicher Untersuchung. Der Ayurvedamediziner kann danach vorliegende Indikationen und die therapeutischen Möglichkeiten einer Kur evaluieren.

Eine „Vorkur“ bereitet den Organismus auf die körperlich und mental oft strapazierende „Hauptkur“ im Ausland vor und stellt sicher, daß sich Verdauung, Stoffwechsel, Funktionen, Zirkulationen und Gewebe in einem stabilen kurtauglichen Zustand befinden. Die Effektivität geplanter Ausleitungen und Minimierung von Nebenwirkungen hängt im wesentlichen von der Vorkur ab, die nach Möglichkeit mindestens vier Wochen durchgeführt werden sollte.

Checkliste für Kurgäste – ein 5-Punkte-Plan

Um die Auswahl Ihres individuellen Kurprogrammes in dafür geeigneter Kureinrichtung zu erleichtern, empfehle ich die folgenden fünf Kriterien zu prüfen:

1 – Ihr Gesundheitszustand

Wie fühlen Sie sich? Unter welchen Beschwerden leiden Sie? Gibt es organische Befunde?

Um diese Frage aus ayurvedischem Blickwinkel beantworten zu können, ist die oben beschriebene Erstdiagnostik erforderlich. Alle Behandlungen in Ayurveda Kuren weisen eigene Indikationen und Kontraindikationen auf. Krankheitsbilder mit Ama-Beteiligung dürfen keine inneren bzw. äußeren Ölungen erhalten und ausgeprägte Vata-Störungen mit degenerativem Charakter sind für die meisten Ausleitungen kontraindiziert, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Stellen Sie sich vor, Sie freuen sich auf Ihre Kur und erfahren nach Anreise, daß Ihr gesundheitlicher Status für die geplante Behandlung ungeeignet ist – ein nicht seltenes Szenario, welches durch eine Untersuchung vor Kurbuchung vollständig vermieden werden kann. Hinzu kommt die Frage nach der Reisetauglichkeit im Falle chronischer und schwerer Krankheiten. Hier ist eine Abwägung von Therapievorteilen und Gefahren durch Reisestressoren vorab dringend erforderlich.

2 – Ihre Kurziele

Was möchten Sie durch Ihre Ayurveda-Kur konkret erreichen?

Definieren Sie gemeinsam mit Ihrem ambulanten Therapeuten vor Ort die genauen Kurziele. Geht es um eine allgemeine systemische Entgiftung, dann ist Panchakarma in einer Kurklinik das Programm der Wahl. Möchten Sie regenerieren und auftanken, wäre eine Rasayana Kur in einem Kurhotel geeignet. Sollen funktionelle oder organische Krankheiten gezielt therapiert werden, benötigt es regulativ orientierte Kurinhalte. Die meisten Einrichtungen sind spezialisiert und sollten daher exakt gemäß Ihren Kurzielen ausgewählt werden.

3 – Ihre Zeitplanung

Wieviel Zeit steht Ihnen frei zur Verfügung und wie kann diese bestmöglich eingeteilt werden?

Planen Sie zur Akklimatisation 3-7 Tage vor Behandlungsbeginn am Kurort ein.

Im europäischen Winter von November bis Februar, der Hauptreisezeit für Indien und Sri Lanka, sind Temperaturunterschiede von über 30 Grad Normalität. Ihr Körper und Geist müssen sich zudem an eine neue Zeitzone, völlig andere Sinneseindrücke und ungewohnte mikrobielle Konfrontationen gewöhnen. Diese Adaption benötigt Zeit. Nach Ihrer Rückkehr sollten Sie den gleichen Zeitraum wieder im Heimatland zur Eingewöhnung einplanen.

Ein Beispiel: Ihnen stehen 28 Urlaubstage zur Verfügung

  • Adapationszeit nach Anreise in Indien oder Sri Lanka: 5 Tage
  • Hauptkur: 18 Tage
  • Adaptionszeit nach Rückkehr in Deutschland: 5 Tage

Suchen Sie nach Rückkehr in der Adaptionszeit Ihren ambulanten Therapeuten auf und planen Sie gemeinsam die Nachkur zum sanften Übergang in den Arbeitsalltag. Stehen Sie mit ihm in den ersten vier Wochen in wöchentlichem Kontakt, um Ihre Gesundheit zu stabilisieren und den Kurerfolg nachhaltig zu sichern.

4 – Ihr Kurbudget

Welchen finanziellen Spielraum haben Sie und wie investieren Sie sinnvoll in Ihre Kur?

Diese Frage entscheidet häufig über die mögliche Kurdauer und die in Frage kommenden Einrichtungen. Grundsätzlich gilt: auch in Asien haben hochwertige Kuren ihren Preis – wer glaubt, für weniger als 100 € pro Tag beste therapeutische Qualität gepaart mit Hygiene und einem angenehmen Umfeld zu erhalten, irrt. Daher mein Tipp für den „schmalen Geldbeutel“: reduzieren Sie die Aufenthaltsdauer und suchen Sie nicht das günstigste Angebot, eine kürzere effektive Kur kann auch schon viel bewirken.

5 – Die Kureinrichtung

Woran erkennen Sie die Authentizität, Seriosität und Qualität eines Kuranbieters?

Folgende Fragen helfen bei der Beurteilung einer Einrichtung

  • Wird vor Buchung Ihrer Kur eine diagnostische Aufnahme verlangt?
  • Wie lange ist die stationäre Kurdauer und welche Jahreszeit wird empfohlen?
  • Verfügen der leitende Therapeut und sein Team über ausreichend Erfahrung?
  • Erhalten Sie konkrete Empfehlungen zur Vorbereitung auf Ihre Kur?
  • Haben Sie in der Kur täglich Kontakt zu Ihrem Ayurvedaarzt und erfolgt die Therapieplanung danach – oder erhalten Sie zu Beginn einen vorgefertigten Ablaufplan?
  • Werden alle Liegen, Schwitzkästen und therapeutisches Equipment nach jeder Behandlung fachgerecht gereinigt und gemäß Bedarf desinfiziert?
  • Steht bei Bedarf moderne Notfalltherapie durch einen Arzt zur Verfügung?
  • Gibt es eine professionelle psychologische Begleitung während Ihrer Kur?
  • Woraus besteht die Ernährung in Ihrer Kur und welche Getränke werden Ihnen serviert?
  • Welche Empfehlungen zur Bewegung während der Kur werden Ihnen gegeben?
  • Wie sieht das Rahmenprogramm (Yoga, Meditation, Vorträge o.ä.) aus?
  • Welche externen Anwendungen in welcher Frequenz erhalten Sie während Ihrer Kur?
  • Erhalten Sie im Anschluß an Ihre Hauptkur einen individuellen Plan für die Nachkur?

Zusätzliche Fragen im Falle einer geplanten Panchakarma-Kur sind:

  • Wie viele Tage sollen Sie innerlich Fette trinken und in welcher Dosierung?
  • Welche Ausleitungsverfahren werden bei Ihnen in welcher Intensität durchgeführt?
  • Wird nach einer der beiden großen Ausleitungen (Vamana und Virechana) eine Ruhephase mit Kostaufbau eingehalten?
  • Wie viele Darmeinläufe erhalten Sie in der Kur?
  • Wird beim Aderlass oder der Blutegelbehandlung steril gearbeitet?
  • Welche Substanzen kommen in der Intranasaltherapie zum Einsatz?

Zu jeder der Fragen bestehen detaillierte Qualitätskriterien, die Sie sich von Ihrem ambulanten Therapeuten vor Buchung erläutern lassen sollten. Dann steht einem eindrucksvollen und gesundheitlich erfolgreichen Kurerlebnis nichts mehr im Wege!

Checkliste für Therapeuten – ein 10-Punkte-Plan

Folgende Kriterien sind seitens der vorbereitenden ambulanten Praxen zu berücksichtigen:

  • Prakriti – die Natur und genetische Konstitution des Patienten unter differenzierter Berücksichtigung anatomischer, physiologischer, prädisponierender und mentaler Faktoren in den einzelnen Lebensphasen seit der Zeugung
  • Vikriti – vorhandene Abweichungen und erworbene Zustände
  • Roga – vorhandene spezielle Krankheiten, die in der Kur entweder gezielt therapiert werden sollen oder auf die Rücksicht genommen werden muss
  • Cikitsa – bislang erfolgte Therapiemaßnahmen, gegenwärtige Behandlungen und ggf. medikamentöse Einnahmen, die während der Kur erforderlich sind
  • Vaya – das Alter des Patienten und damit die Tauglichkeit für verschiedene Kurprogramme
  • Agnibala – die Stärke der 13 Körperfeuer und damit die Verdauungs- und Stoffwechsellage
  • Vyayamashakti – die körperliche Kraft und Belastbarkeit
  • Satmya – die Anpassungsfähigkeit und Verträglichkeit
  • Sattvabala – die geistige Stärke und Stabilität, um den Anforderungen einer Kur standzuhalten
  • Vyadhikshamatva – der Immunstatus, verbunden mit der Frage nach der möglichen Exposition gegenüber mikrobiellen Gefahren durch Bakterien, Viren, Parasiten u.a.

Nachdem eine vollständige Erstuntersuchung erfolgt ist und die o.g. 10 Punkte erfasst wurden, sollte ein Kurvorbereitungsplan erstellt werden, um den Organismus anpassungsfähig zu machen. Zu diesem Zweck wird die Ernährung gezielt eingestellt (Pathyahara), die Lebensführung (bsp. Schlafrhythmen, Tagesroutine, Körperpflege) angepasst (Pathyavihara) und gezielte Medikationen zur Verdauungsunterstützung (Agnidipana), Zirkulationsförderung (Srotoshodhana) und Verbrennung klebriger Rückstände (Amapachana) verabreicht. In einzelnen Fällen ist eine Vorbehandlung bestehender Krankheitsbilder erforderlich, um Nebenwirkungen vorzubeugen.

Die drei Glieder für nachhaltigen Kurerfolg

Bislang ist die konkrete Zusammenarbeit zwischen ambulanten Praxen in Deutschland und stationären Einrichtungen in Indien und Sri Lanka leider völlig unzureichend.

Dabei liegen die Vorteile für alle Beteiligten auf der Hand:

  • Der Kurgast bekommt Unterstützung in der Auswahl eines passenden Anbieters und kann somit seine beiden wertvollen Ressourcen Zeit und Geld optimal nutzen. Er wird auf das Reiseziel, die ihn erwartenden Umgebungsbedingungen und Kurinhalte eingestimmt und medizinisch optimal vorbereitet. Vor, während und nach der Kur hat er einen kompetenten Begleiter und Ansprechpartner für alle Fragen.
  • Der ambulante Therapeut diagnostiziert den aktuellen Status und bereitet die Kur professionell vor. Er erstellt einen Befund- und Maßnahmenbericht und stellt diesen den stationär arbeitenden Kollegen vorab zur Verfügung, damit sich diese auf den anreisenden Kurgast einstellen können. Medizinisch relevante Untersuchungen für die Auswahl einzelner Behandlungen können bei Bedarf vorab durchgeführt werden.
  • Der stationäre Anbieter kann ungehindert arbeiten und entsprechende Therapeuten mit jeweils erforderlicher Erfahrung einplanen. Die Patientencompliance, also das aktive Mitwirken, ist ungleich höher. Mögliche Nebenwirkungen werden vorab auf ein Minimum reduziert und die Chance für Heilerfolge maximiert, was nachfolgend die Reputation der Einrichtung verbessert. Zufriedene Gäste kommen im nächsten Jahr gerne wieder…

Ayurvedische Kurmedizin ist weit mehr als nur ein Trend, kann sich nachhaltig in unserem Gesundheitswesen positionieren und damit präventiv Krankenkassen entlasten.

Die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Praxen und den Kuranbietern in Asien spielt hierbei eine Schlüsselrolle – lassen Sie uns daher künftig enger zusammenwirken, zum Nutzen unserer Patienten und Kurgäste sowie dem Ayurveda als Ganzes!

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Ralph Steuernagel

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