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RASAYANA | REGENERATION & VITALITÄT

Unser Energiehaushalt ist mit zweierlei Arten von Batterien vergleichbar:

Die eine ist unsere Lebensbatterie, die uns von der Geburt bis zum Lebensende begleitet, sie ist nicht auffüllbar und daher gilt es, sie vor einem vorzeitigen Verbrauch zu schützen. Die andere ist unser alltäglich aufladbarer Akku, dessen Ladezustand von unserer Ernährung, Atmung, Schlaf und Spannungsregulation abhängt.

Viele kennen das Phänomen am eigenen Smartphone: der Ladezustand liegt unter 10% und wir wollen umfangreiche Webinhalte downloaden oder Apps ausführen. Zunächst scheint alles perfekt zu funktionieren, doch dann kommen erste Warnsignale und kurz darauf schaltet das Gerät ab. Nun heißt es, erst einmal aufzuladen.

Rasayana

Ähnlich verhält es sich mit unserem eigenen Energielevel – er ist schon sehr niedrig, aber wir nehmen es nicht wahr und verbrauchen mehr Energie, als wir aufladen. Auch wenn unser Körper nicht gleich „abschaltet“, so sendet er ständig Signale über seinen „Ladestatus“ in Form von Symptomen, die im Ayurveda von großer Bedeutung sind.

Was können wir zusätzlich tun, um unseren Akku in bestmöglicher Aufladung zu halten?

Das ayurvedische Schlüsselwort heißt Rasayana und bedeutet wörtlich „Weg der Essenz“. Es ist die ayurvedische Königsdisziplin, die begleitend zum Alltag oder im Rahmen eines stationären Kurrückzugs praktiziert werden kann.

Rasayana Maßnahmen bauen gesunde Körpergewebe auf, stärken das Immunsystem, erhöhen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, verbessern die Stressbewältigung und verjüngen vorzeitig gealterte Strukturen und Funktionen.

Rasayana wird grundlegend in zwei Gruppen unterteilt:

  • Dravya Rasayana: Körperliche Regeneration durch gezielten Einsatz von Substanzen im Rahmen der Ernährung und Phytotherapie.
  • Adravya Rasayana: Geistige Regeneration durch Gedanken- und Verhaltensänderung ohne Einsatz von Substanzen.

Voraussetzung für die Wirksamkeit von Rasayana Substanzen ist ihre Transportfähigkeit zum Zielort durch freie Leitungsbahnen. Sind diese blockiert, empfiehlt der Ayurveda vor Einnahmebeginn eine Reinigungstherapie in ambulanter oder stationärer Form (z.B. Panchakarma) durchzuführen.

Betrachten wir nun unsere Möglichkeiten, die einzelnen sieben Körpergewebe substanziell zu stärken, zu schützen und funktionell gesund zu halten.

Gewebe 1: Rasa Dhatu – der Nährsaft

Das erste Körpergewebe besteht vorrangig aus dem Wasserelement, ist flüssig, ölig, wohltuend und beruhigend. Es entsteht aus der Verdauung und Umwandlung von Nahrung. Das heutzutage häufig überbetonte Feuerelement verbrennt Wasser und damit Rasa Dhatu – mit weitreichenden Folgen für alle weiteren Gewebe, die vom Zustand des Nährsaftes abhängen.

Aus diesem Grund lässt sich der Nährsaft sehr gut ernährungstherapeutisch beeinflussen. Hochwertige Milch, frische Früchte, Ghee und pflanzliche Öle sowie reines Wasser bauen dieses Gewebe optimal auf. Pflanzlich nahrungsergänzend wirken Amalaki (Emblica officinalis), Draksha (Vitis vinifera – die Weinrebe) und Shatavari (Asparagus racemosus).

Gewebe 2: Rakta Dhatu – das Blut

Das Blut wird vom Feuerelement dominiert, ist heiß, flüssig und penetrant und neigt vor allem bei Männern häufig zur „Überhitzung“, die als „Blutverunreinigung“ (Raktadushti) bezeichnet wird. Häufige Folgen sind entzündliche Erkrankungen der Haut und Gefäße.

Rasayana Substanzen für das Blut sind zumeist kühlend, reizlindernd und blutreinigend. Die wichtigsten ayurvedischen Heilpflanzen sind Sariva (Hemidesmus indicus), Manjishta (Rubia cordifolia), Khadira (Acacia catechu) und Haridra (Curcuma longa). Mineralisch zählt Loha (Eisen) zu den Rasayana für ein starkes Blut.

Gewebe 3: Mamsa Dhatu – das Fleisch

Das Erdelement bringt gemeinsam mit etwas Wasserelement unser „Fleisch“ hervor, zu dem vor allem das Muskelgewebe gehört. Dieses Gewebe ist schwer, grob, stabil und ölig. Fleisch nährt Fleisch, so lautet die einfache Gleichung im Ayurveda. Ernährungstherapeutisch kommen daher bei stark geschwächter Muskulatur gezielt Fleischsuppen zum Einsatz.

Die beiden berühmtesten Heilpflanzen zur Stärkung der Muskulatur sind Bala (Sida cordifolia) und Ashwagandha (Withania somnifera), die auch gerne als „Sport-Rasayana“ in warmer Milch im Anschluss an Krafttrainingseinheiten verwendet werden.

Gewebe 4: Meda Dhatu – das Fett

Das Fettgewebe wird vom Wasserelement dominiert und verleiht uns Stärke, Schutz und Geschmeidigkeit. Der tägliche moderate Konsum von gesunden Ölen und Ghee baut das Fettgewebe auf. Sowohl ein Mangel an Fettgewebe als auch der in unseren Breiten häufige Überschuss gelten ayurvedisch als krankheitsfördernd.

Guduchi (Tinospora cordifolia), Lashuna (Allium sativum – Knoblauch) und Pippali (Piper longum) zählen zu wichtigen pflanzlichen Rasayana für ein gesundes Fettgewebe.

Gewebe 5: Asthi Dhatu – der Knochen

Unser Knochen setzt sich vorrangig aus Erd- und Luftelement zusammen. Er ist rau, statisch, fest und stützt uns. Seine Schwächung führt zu degenerativen Störungen wie Arthrose oder Osteoporose.

Wichtige Substanzen für gesunde Knochen sind Ashwagandha (Withania somnifera), Guggulu (Commiphora mukul), Vanshalochana (Bambusa arundinacea) und organisches Kalzium aus Eierschalen (Kukkutanda Tvak).

Gewebe 6: Majja Dhatu – Mark & Nerven

Das Knochenmark und Nervengewebe entsteht vorwiegend aus dem Wasserelement, ist flüssig, ölig, glatt und weich. Langfristige Schwächungen können in neuropsychiatrische Krankheiten münden.

Rasayana Substanzen für gesunde Nerven zählen zu den beliebtesten Ayurveda Produkten, wichtige unter ihnen sind Brahmi (Bacopa monniera), Mandukaparni (Centella asiatica), Shankhapushpi (Convolvulus pluricaulis) und Vacha (Acorus calamus).

Gewebe 7: Shukra Dhatu – der Samen

Das Fortpflanzungsgewebe besteht ebenfalls vorrangig aus dem Wasserelement und ist flüssig, ölig, kühl, dicht und süßlich. Schwächungen dieses Gewebes haben direkten Einfluss auf Fruchtbarkeit und sexuelle Leistungsfähigkeit.

Zu den Shukra stärkenden Pflanzen zählen Kapikacchu (Mucuna pruriens), Mushali (Chlorophytum tuberosum) und Gokshura (Tribulus terrestris).

Die individuelle Mischung

Erfolgreiches Rasayana ist so einfach und doch recht kompliziert, denn die richtige Vorbereitung und individuelle Mischung macht’s. Ich rate von Selbstverordnungen grundlegend ab, da falsche Anwendungen auch Nebenwirkungen entfalten können.

Vor jeder Rasayana Therapie steht daher die individuelle Diagnosestellung durch einen qualifizierten Ayurveda Therapeuten. Dieser nimmt zunächst Ihre Anliegen auf und prüft dann den Status von Verdauung, Stoffwechsel und Zirkulationssystem. Daraus ermittelt er den vorab erforderlichen Reinigungsbedarf und stellt Ihnen ein entsprechendes Programm zusammen.

Nur in den vorgereinigten Körper werden dann maßgeschneiderte Rasayana Cocktails verabreicht. Ihre Wirkung muss spätestens alle vier Wochen überprüft werden, um Rezeptur- und Dosierungsanpassungen rechtzeitig vornehmen zu können.

Rasayana wirkt – richtig angewandt – auf unsere Gewebe wie der Strom auf den Akku unseres Smartphones. Rasayana beugt Krankheiten vor, bringt neue Potenziale hervor und macht einfach glücklich.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Ralph Steuernagel

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