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GENUSSWELT BIER – AYURVEDISCH BETRACHTET

Dass Bier, Fußball und Männer zusammengehören wie Grüntee, Yoga und Frauen, ist ein weit verbreitetes Vorurteil – und dennoch spricht die Statistik durchaus für diese These. Männer trinken etwa 7x so viel Bier wie Frauen. Und ein richtiges Fußballfest ist ohne Bier kaum vorstellbar.

Bier

Sommerzeit ist Biergartenzeit. Gerade dann gilt Bier als erfrischendes, genussbringendes Getränk mit relativ niedrigem Alkoholgehalt, das Vergnügen bereitet und gesellschaftliche Beziehungen fördert. Was hat Mann nicht schon alles beim Bier mit Freunden geklärt…

„Cerevisiam bibat! Trinkt Bier!", sagte im 12. Jahrhundert Hildegard von Bingen und sah im beliebten Gerstensaft große Heilkräfte. Wie steht der Ayurveda zum himmlischen Biergenuss, der so vielen Menschen Freude bereitet?

Bier und Gesundheit

Der Deutsche Brauer-Bund veröffentlichte 2009 eine 36-seitige Broschüre mit dem Titel „Die Auswirkungen maßvollen Bierkonsums“, in der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die gesundheitlichen Vorteile präsentiert wurden. 2011 wurde in einem Urteil des Landesgerichts Berlin die Bierwerbung mit Gesundheitsbezug als unzulässig eingestuft.

Bier wird aus Wasser, Malz (vorwiegend Gerste) und Hopfen hergestellt, Hefe unterstützt den Gärprozess. Aus der Stammwürze (Stoffe aus Malz und Hopfen) entsteht durch die alkoholische Vergärung das Bier. Je nach Hefeauswahl werden ober- und untergärige Biere unterschieden, die bei jeweils 15-20°C bzw. 4-9°C hergestellt werden.

Durch das Maischen werden wertvolle Inhaltsstoffe der Bierzutaten gelöst, dieser Prozess ist vergleichbar mit der Traubenmaische in der Rotweinherstellung.

Bier enthält wertvolle Mikronährstoffe wie die Vitamine B1, B2, B6, B12, Folsäure, Magnesium, Kalzium und Silizium. Die wichtigste gesundheitliche Bedeutung von Bier geht vom Hopfen aus. Die berühmte Heilpflanze wird in der europäischen Naturheilkunde seit jeher zur Schlafförderung, Beruhigung, Angstlösung und Verdauungsförderung eingesetzt.

Was das Resveratrol im Rotwein, ist Xanthohumol im Bier: dieses Polyphenol aus dem Hopfen wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und onkopräventiv. Zudem schützt es vor neurodegenerativen Erkrankungen (Demenz, Parkinson) oder verlangsamt ihr Fortschreiten. Ob die Menge an Xanthohumol im Bier allerdings ausreicht, um therapeutische Wirkungen zu erzielen, darf ähnlich wie bei Resveratrol bezweifelt werden.

Bier aus ayurvedischer Sicht

Um Bier ayurvedisch zu interpretieren, widmen wir uns zunächst einer ersten Klassifikation. Diese ist angesichts der weltweiten Markenvielfalt von etwa 15000 Bieren gar nicht so leicht vorzunehmen. Fruchtbiere versüßen den Geschmack, Sauerbiere bringen die saure Note ein und Bockbiere erhitzen wesentlich stärker.

Die wichtigsten Qualitäten sind folgende:

  • Der Geschmack (Rasa) ist vorrangig bitter, süß, scharf und herb.
  • Die Eigenschaften (Guna) sind schwer, feucht und träge.
  • Der Effekt nach Verdauung (Vipaka) ist scharf.
  • Die thermische Potenz (Virya) hängt vom Alkoholgehalt ab – alkoholfreies Bier kühlt, alkoholreiches Bier erhitzt.
  • Doshabezug: Bier senkt Vata und steigert Kapha. Alkoholfreies oder -armes Bier senkt Pitta, alkoholreiches Bier steigert es.

Die Bitter- und Scharfstoffe im Bier stimulieren Agni und den Appetit. Dennoch gilt Bier aus ayurvedischer Sicht als schwer verdaulich – vor allem in großen Mengen. Die Hefe fördert Ama, klebrige Rückstände aus unzureichender Verdauung, was man an der Konsistenz und dem Geruch des Stuhlgangs nach bierreichen Abenden häufig feststellen kann.

Alkoholarmes Bier hat blutreinigende Eigenschaften, höherprozentige Sorten verursachen eine Blutverunreinigung mit langfristigen Folgen entzündlicher Prozesse.

Ein zentrales Problem regelmäßigen Bierkonsums liegt aus ayurvedischer Sicht in der zu kalten Trinktemperatur, die viele positive Eigenschaften auf Agni leider zunichtemacht. Kühlen Sie Ihr Bier daher nur leicht oder trinken Sie es in Raumtemperatur. Je kälter das Getränk, desto mehr Abstand sollte der Konsum zu Mahlzeiten haben.

Bier und Übergewicht

Macht Bier dick?

Diese häufig getroffene Aussage konnte wissenschaftlich widerlegt werden.

100ml Bier enthalten 43 kcal (alkoholfreies sogar nur 25 kcal) – und damit deutlich weniger als Milch (72 kcal), Rotwein (80 kcal) oder Mangolassi (87 kcal). Wer also 1-2 Gläser (250-500ml) Bier konsumiert, wird davon nicht unerwünscht zunehmen.

Bier hat aufgrund seines relativ niedrigen Kohlenhydratgehalts eine niedrige bis mittlere glykämische Last und führt daher nicht – wie häufig falsch dargestellt – zu einem signifikanten Blutzuckeranstieg.

Weshalb sind dann so viele Biertrinker übergewichtig?

Bier regt den Appetit über die Bitterstoffe und den Alkohol an, daraus resultiert oft üppiges Essen. Zudem sind die Essgewohnheiten vieler Biertrinker recht zünftig und reichen von deftigen Brotmahlzeiten bis zu Braten und fettigen Speisen.

Bier ist also aus ayurvedischer Sicht ein Getränk mit vielen wertvollen Qualitäten, aber auch gewissen Gefahren. Lassen Sie sich daher individuell von einem Ayurveda Experten beraten, ob und in welchen Mengen welche Biersorten für Sie geeignet sind.

Prost!

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Ralph Steuernagel

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