7 minutes reading time (1338 words)

DIGITAL DETOX – DIE KUNST ABZUSCHALTEN

Wieder ein neuer Trend aus den USA? Ja, aber diesmal ein wirklich sinnvoller! Er entstand an genau dem Ort, der weltweit für die Entwicklung von IT und High-Tech steht: im Silicon Valley. Digital Fasting beschreibt eine temporäre Auszeit von Smartphones, Computern und anderen elektronischen Geräten, um Stress abzubauen und die mentale Balance zu fördern.

Digital Detox

Sieht so auch Ihre Kommunikation beim Treffen unter Freunden aus? Dann wird es Zeit nachzudenken und Ausgleich zu schaffen. Der Trend, die Umwelt durch lauter Fokussierung auf Mobilgeräte nicht mehr wahrzunehmen, ist unverkennbar und aus psychologischer Sicht gefährlich.

Digital Detox ist ein Muss für Alle, deren berufliches und privates Leben maßgeblich durch digitale Vernetzung bestimmt wird. Das „digitale Fasten", wie es hierzulande auch genannt wird, verbindet uns wieder mit der physischen Welt und fördert mentale Balance. Wie es wirkt und wie einfach es geht, erfahren Sie hier...

Unsere Kommunikation hat sich verändert

Kommunikation dient der Verständigung untereinander. Durch sie werden pausenlos Informationen ausgetauscht.

Wie übermitteln wir Anderen unsere Botschaft? Auf drei Wegen gleichzeitig:

  • Durch das gesprochene Wort = verbale Kommunikation.
  • Durch unsere Stimme = paraverbale Kommunikation.
  • Durch unsere Körpersprache = nonverbale Kommunikation.

Die verbale Kommunikation erfolgt direkt oder indirekt durch unsere Sprache und das geschriebene Wort. Wichtige Merkmale sind die Wortwahl, der Wortschatz und das Formen von Sätzen. Logische Gedankengänge lassen sich verbal gut erfassen.

Die paraverbale Kommunikation enthält sprachliche (unsere Stimme) und nichtsprachliche Anteile in Form von Sprechpausen. Das Spektrum der Stimme umfasst unsere Stimmlage, Lautstärke, Betonung, die Artikulation, das Sprechtempo und die Sprachmelodie. Die Stimme übermittelt die jeweilige mentale Stimmung des Sprechenden.

Die nonverbale Kommunikation umfasst die Teilaspekte Blick, Mimik, Gestik, Habitus und Körperhaltung. Wichtige Merkmale sind der Blickkontakt / die Blickabwendung, die Kontraktion unserer Mimikmuskulatur, die Gestikulation unserer Hände, das Auftreten und Benehmen sowie die Symmetrie, Aufrichtung und Standsicherheit.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge beträgt der verbale Anteil der Gesamtbotschaft maximal 10%, der paraverbale 30-40% und der nonverbale über 50%. Das bedeutet, wir empfangen nicht primär, was unser Gesprächspartner sagt, sondern vor allem wie er stimmlich und körperlich kommuniziert!

Voraussetzung dafür ist der persönliche physische Kontakt, der allerdings im digitalen Zeitalter immer weniger wird. Wie soll man auch seine mehr als 1000 Facebook-„Freunde" regelmäßig treffen? Die meisten von ihnen kennt man ja kaum und ist ihnen physisch noch nie begegnet.

Die junge Generation ist als Digital Native in der digitalen Welt aufgewachsen und lernt schon früh via Smartphone und Tablet mobil von jedem Ort aus zu kommunizieren. Sie ist die meiste Zeit des Tages empfangsbereit und wird durch akustische, visuelle oder vibrierende Signale ständig informiert. Die digitale Kommunikation erfolgt primär verbal und ist damit ziemlich eindimensional. Die nonverbale Kommunikation geht verloren, die Tiefe vermittelter Botschaften fehlt und Missverständnisse häufen sich.

Die ältere Generation kennt als Digital Immigrant auch noch analoge Zeiten, in denen die Kommunikation nur von Mensch zu Mensch physisch, telefonisch oder brieflich erfolgte - Facebook, Twitter, What's App, Skype, SMS oder Email gibt es schließlich noch nicht lange. Viele ältere Menschen verweigern den Zugang zu modernen und mobilen Medien, damit schließen sie sich allerdings zunehmend aus und können nicht von den vielen Vorteilen der technischen Entwicklung profitieren.

Die Kehrseite digitaler Vernetzung

In meinen Seminaren bitte ich immer zu Beginn um Abschaltung aller Mobilgeräte, um sich bestmöglich auf die Inhalte konzentrieren zu können und andere Teilnehmer nicht zu stören. Seit etwa 2 Jahren beobachte ich, wie es zunehmend schwer fällt, wirklich abzuschalten - bei einer Stummschaltung stört man ja weniger, ist aber immer noch mit der Außenwelt verbunden...

Die Vorteile digitaler Kommunikation liegen zweifelsfrei auf der Hand: man ist heute besser und schneller informiert, kann mit mehr Menschen und Gruppen Kontakt halten, nimmt am Leben und den Erlebnissen vieler Menschen in Echtzeit teil. Das trainiert unser Gehirn und fördert partiell Bildung. Soziale Netzwerke sind das Medium revolutionärer Bewegungen in der heutigen Welt, was großartige Chancen, leider aber auch Gefahren mit sich bringt.

Jede Information ist ein Reiz, der zumeist aufgenommen und verarbeitet wird. Nebst der gnadenlosen Reizüberflutung durch empfangsbereite Mobilgeräte, die in immer kürzeren Abständen „anklopfen", stellt sich die Frage nach der Filterung von Informationen. Welche Nachrichten sind für mich wirklich brauchbar, welche nicht und welche überfordern mich inhaltlich?

Wenn der persönliche Filter nicht mehr funktioniert, ziehen uns Mobilgeräte in einen digitalen Sog der Überforderung. In der Folge können stressabhängige Beschwerden wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herzrasen, Konzentrationsstörungen und Leistungseinschränkungen entstehen. Diese münden unbehandelt oft in psychovegetative Krankheitsbilder.

Eine weitere mögliche Folge übermäßiger digitaler Nutzung ist die Abhängigkeit. Bert te Wildt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Medienforscher und Suchtexperte, ist selbst erstaunt, wie stark sich die Abhängigkeiten von Substanzen und vom Internet ähneln: „Viele lassen reale soziale Kontakte komplett schleifen, haben keine Partnerschaft, keine Freunde mehr. Und viele kümmern sich nicht mehr um ihren Körper. Ihnen fehlt es an Bewegung, gesunder Ernährung und Licht."

Login

Pull Medien versus Push Medien

In Pull Medien wie großen Teilen des Internets verläuft der Kommunikationsfluss vom Empfänger zum Sender, das heißt Sie fordern durch Ihre Suchanfrage oder direkte Eingaben eine Information wunschgemäß an. Diese aktive Handlung ermöglicht eine selektive Auswahl an Informationen und entlastet unseren psychologischen Filter.

Push Medien wie TV und Radio steuern den Informationsfluss vom Sender zum Empfänger. Die meisten modernen Apps senden ständig Push-Nachrichten auf Mobilgeräte der Empfänger und lenken diese dadurch von ihren aktuellen Tätigkeiten ab. Wer Push-Benachrichtigungen nicht durch entsprechende Einstellungen kontrolliert, ist der Reizüberflutung dauerhaft ausgesetzt.

Finden Sie Ihre persönliche Balance aus Pull- und Push-Medien.

Digital Detox @ Home

Die Anwendung der folgenden Tipps hilft Ihnen dabei, im Alltag einen gesunden Kompromiss zu finden: Sie bleiben digital vernetzt, dosieren und kontrollieren aber den Informationsfluss und lernen regelmäßig abzuschalten.

  • Wählen Sie die für Sie geeigneten Geräte aus und minimieren Sie deren Anzahl - je weniger Geräte Sie umgeben, desto weniger werden Sie belastet.
  • Richten Sie die Push-Einstellungen Ihrer Apps optimal ein. Lassen Sie nur diejenigen Nachrichten zu Ihnen kommen, die wirklich wichtig sind und für Sie einen realen Nutzen darstellen.
  • Definieren Sie genaue Zeiten der Empfangsbereitschaft. Geben Sie sich morgens und abends Stunden der Auszeit, in denen Sie völlig ungestört bleiben - das geht nur offline.
  • Lernen Sie, Signale Ihrer Mobilgeräte nicht gleich zu verfolgen und sich dadurch abzulenken. Es geht nichts verloren, wenn Sie erst in einer Stunde die empfangene Nachricht lesen.
  • Begrenzen Sie Ihre privaten Aktivitäten in Social Media Plattformen auf täglich maximal 1 Stunde und kontrollieren Sie diese.
  • Schalten Sie nachts alle elektronischen Geräte komplett aus und verbannen Sie diese aus Ihrem Schlafzimmer.
  • Schalten Sie Ihre Mobilgeräte auf Flugmodus um, wenn Sie in einem persönlichen Gespräch sind, kontemplieren, gemeinsam mit der Familie essen oder sich körperlich begegnen.
  • Bleiben Sie einen Tag wöchentlich 8-12 Stunden offline, zum Beispiel sonntags. Das fördert Ihre Aufmerksamkeit in Bezug auf Konzentration und Achtsamkeit.

Digital Detox als Kur

In den USA, v.a. im Silicon Valley, boomen Digital Detox Camps. Darin lernen die Teilnehmer, über bestimmte Zeiträume digitale Karenz zu üben und dadurch mental zu „entgiften". Nach einigen Tagen der Enthaltsamkeit entsteht eine gesteigerte Wahrnehmung der Umwelt durch die eigenen Sinne, soziale Beziehungen verbessern sich, innere Ruhe breitet sich aus, Gefühle werden intensiver erlebt und es entstehen Freiräume für neue Ideen, Ziele und Visionen.

Informieren Sie Ihre Umwelt darüber, wenn Sie eine derartige Kur über mehrere Tage planen. Schalten Sie den Email-Autoresponder ein mit dem Hinweis darauf, dass Sie bis zu einem festgelegten Datum keine Emails abrufen und beantworten werden. Senden Sie vor Kurbeginn eine Nachricht über soziale Netzwerke an Ihre Communities und inspirieren Sie damit indirekt zur Nachahmung. Schalten Sie dann mit Beginn der Kur alle mobilen Geräte, Computer, Fernseher, Radios und sonstige nicht benötigte elektronische Geräte ab.

„Medienkompetenz beinhaltet die Fähigkeit zur Medienabstinenz",

sagt Dr. med. te Wildt. Diese sollte zum elementaren Teil schulischer und privater Erziehung werden.

Damit wir in Zukunft in einer digitalisierten Gesellschaft leben, in der man auch noch die Weite des Ozeans sehen, das Zwitschern der Vögel hören, den Duft frischer Blüten riechen, einen guten Rotwein schmecken und das liebevolle Streicheln des Partners fühlen kann.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Ralph Steuernagel

>>> Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, teilen Sie ihn bitte über die sozialen Netzwerke mit Anderen.

Ayurveda Ausbildung - STEUERNAGEL AYURVEDA SCHULE Ayurveda Fortbildung - STEUERNAGEL AYURVEDA SCHULE Ayurveda Training - STEUERNAGEL AYURVEDA SCHULE Ayurveda Webinar

ZUNGENSCHABER IM AYURVEDA | FAKTENCHECK
DURCH KALORIENRESTRIKTION LÄNGER & GESÜNDER LEBEN

Ähnliche Beiträge