AYURVEDA KONSTITUTIONEN

Herzstück des Ayurveda ist das Verständnis der Natur des Individuums und seiner genetischen Anlagen im Sinne von Stärken, Talenten und Fähigkeiten einerseits sowie Vulnerabilitäten, Prädispositionen und Schwächen andererseits. Es werden 7 körperliche und 16 geistige Konstitutionstypen unterschieden.

Die Natur eines Individuums wird nicht einfach als „Typ" anhand von Fragebögen bestimmt, sondern über bestimmte Zeiträume erforscht. Hierbei spielen körperliche und geistige, stabile und variable Merkmale im Lichte örtlicher, zeitlicher und familiärer Faktoren eine Rolle.

Vata, Pitta oder Kapha - wer bin ich?

Diese Frage stellen etwa 90% aller Patienten in ihrem Erstgespräch mit einem Ayurveda Therapeuten. Verständlich - Jeder ist interessiert an stabilen Kategorisierungen, die das persönliche Erleben verständlicher und alltägliches Handeln leichter machen sollen. Es gibt eine gute und eine herausfordernde Nachricht für Sie...

Die gute Nachricht ist, dass Sie tatsächlich mehr Gesundheit, Tiefe und Sinnerfüllung in Ihr Leben und Ihre Beziehungen durch das Verständnis von Konstitutionen und Naturellen bringen können. Die herausfordernde Nachricht ist, dass Sie sich dazu auf einen längeren Weg zu Ihrem Wesenskern begeben müssen. Eine „Typbestimmung" in 15 Minuten durch Beantwortung eines Fragebogens mit finaler Punktauswertung ist zum Erreichen dieses Zieles weit unzureichend.

Wir unterscheiden eine Erstanalyse von der konstitutionellen Tiefenanalyse. Die Erstanalyse ist Teil einer ayurvedischen Erstkonsultation und ermöglicht einen ersten Eindruck des Menschen hinter seinem aktuellen Zustand. Die Tiefenanalyse berücksichtigt zusätzlich die gesamte Biographie des Menschen.

Ihre individuelle Natur

Die Konstitution heißt im Sanskrit „Prakriti" und wird wörtlich mit „Natur" übersetzt. Es handelt sich also um die Natur eines Individuums, das Naturell mitsamt allen Anlagen. Bevor wir diese Natur von Menschen bestimmen, sollten wir uns darüber bewusst werden, wie sie überhaupt entsteht und welche Faktoren zu ihrer Prägung beitragen. Je tiefer Sie in dieses Thema eintauchen, desto mehr Respekt und Demut vor den Gesetzen der Natur werden Sie entwickeln.

In der Entstehung einer Konstitution lassen sich ayurvedisch vier Etappen bzw. Ereignisse unterscheiden:

  1. Der Moment der Zeugung
  2. Die Phase der Schwangerschaft
  3. Das Erlebnis der Geburt
  4. Die nachgeburtliche frühkindliche Entwicklung

In jeder der vier Etappen/Ereignisse sammelt das neue Leben Erfahrungen und ist zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Dem Moment der Zeugung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, da hier sowohl konstitutionelle Qualitäten als auch aktuelle Zustände der fünf Elemente von Mutter (über das Ei | „Shonit") und Vater (über den Samen | „Shukra") zusammenwirken und in Einheit mit der Seele („Atma") neues Leben hervorbringen.

Zur konstitutionellen Tiefenanalyse ist deshalb nebst dem Erfassen stabiler anatomischer Merkmale ein Erforschen dieser prägenden Phasen in der Konstitutionsentstehung erforderlich.

Die körperliche Konstitution | Deha Prakriti

Die Körperkonstitution wird gemäß Dominanz der drei Funktionsprinzipien Vata, Pitta und Kapha ermittelt. Es werden drei Grundnaturelle (Vata, Pitta, Kapha), drei Mischnaturelle (Vata-Pitta, Vata-Kapha, Pitta-Kapha) und ein ausgeglichenes Naturell (Vata-Pitta-Kapha) unterschieden. Ziel ist die dynamische Balance der drei Prinzipien, die Gesundheit garantiert.

Die Vata Konstitution ist durch die Betonung der Elemente Luft und Raum gekennzeichnet. Ihre Kerneigenschaften sind leicht, kalt, trocken und mobil. Der Körperbau ist schmal und feingliedrig. Vata dominierte Menschen sind feinsinnig, kommunikativ, neugierig, ideenreich und rezeptiv. Sie neigen zu einer negativen Energiebilanz, verbrauchen also häufig ihren „Akku" und vernachlässigen dessen Aufladung durch eine geregelte Ernährung, tiefe Atmung, ausreichenden Schlaf und mentale Balance.

Die Pitta Konstitution ist durch die Betonung des Elementes Feuer gekennzeichnet. Ihre Kerneigenschaften sind heiß, leicht, akut und scharf. Der Körperbau ist athletisch von mittlerer Statur. Pitta dominierte Menschen sind scharfsinnig, intelligent, führungsstark, durchsetzungsfähig und kompetitiv. Sie neigen zu einer ausgeglichenen Energiebilanz auf hohem Niveau, nehmen also viel Energie auf und verbrauchen diese zu großen Teilen. Im Übermaß kann dies zu einem „Ausbrennen" führen.

Die Kapha Konstitution ist durch die Betonung der Elemente Wasser und Erde gekennzeichnet. Ihre Kerneigenschaften sind schwer, üppig, feucht und kalt. Der Körperbau ist kräftig und stabil. Kapha dominierte Menschen sind ruhend, kraftvoll, schwer irritierbar, angenehm und friedvoll. Sie neigen zu einer positiven Energiebilanz, nehmen also mehr Energie auf als sie verbrauchen und neigen deshalb zur Fülle. Im Übermaß kann dies zu ausgeprägter Trägheit führen.

Die geistige Konstitution | Manasa Prakriti

Die Geisteskonstitution wird gemäß Dominanz der drei mentalen Eigenschaften Sattva, Rajas und Tamas ermittelt. Es werden insgesamt 16 Arten - sieben Arten von Sattva, sechs Arten von Rajas und 3 Arten von Tamas - unterschieden. Im Unterschied zum Körpermodell wird keine Gleichgewichtigkeit angestrebt, das Ziel ist ausschließlich die Maximierung von Sattva.

Die Sattva Konstitution ist durch Harmonie, Intelligenz, Klarheit, Frieden und Freiheit gekennzeichnet. Alles Geistesfakultäten befinden sich in bestem Zustand. Sattva repräsentiert die Qualitäten unterscheidender, höher entwickelter Menschen. Von Sattva dominierte Menschen neigen zu Großzügigkeit, Geduld, Wahrhaftigkeit, Rechtschaffenheit und tieferer Einsicht.

Die Rajas Konstitution ist von Leidenschaft, Energie, Wille, Macht und einer Spannung durch Anhaftung und Abneigung gekennzeichnet. Die Geistesfakultäten sind beeinträchtigt und funktionieren selektiv. Rajas repräsentiert die Qualitäten höher entwickelter Tiere und primitiver Menschen. Von Rajas dominierte Menschen neigen zu Erregbarkeit, Egoismus und Hochmut.

Die Tamas Konstitution ist von Trägheit und Widerstand dominiert und durch Unwissenheit gekennzeichnet. Alle Geistesfakultäten befinden sich in unbrauchbarem Zustand. Tamas repräsentiert die primitiven Qualitäten des Überlebens und Reproduzierens. Von Tamas dominierte Menschen haben einen nicht rechtschaffenden Charakter und neigen zu Einsichtslosigkeit.

Grundregeln der Konstitutionsanalyse

  • Konstitutionen werden nicht bestimmt, sondern erforscht.
  • Es gibt eine Körperkonstitution und eine Geisteskonstitution. Beide sind interdependent, können aber auch isoliert erforscht werden.
  • Die geistige Konstitution beeinflusst das Erscheinungsbild der Körperkonstitution.
  • Konstitutionen zeigen sich v.a. anhand von Reaktionen auf intensive Reize.
  • Es gibt stabile und variable Merkmale unterschiedlicher Relevanz in einer Konstitution.
  • Konstitutionsmerkmale prägen sich gemäß Lebensetappe unterschiedlich aus und können sich verändern.
  • Die Bewertung von Merkmalen entsteht durch Vergleich innerhalb einer Ethnie.

Tiefenanalyse in 7 Stufen nach Ralph Steuernagel

  1. Erfassung der Umwelt- und Lebensbedingungen in Ihrer Biographie
  2. Anatomisch-morphologische Untersuchung zur Bestimmung der Elementdominanz Ihrer Physis
  3. Physiologische Befragung zur Erfassung der steuernden Funktionsprinzipien Vata, Pitta und Kapha
  4. Analyse Ihrer überwiegenden Temperamente anhand von Mimik, Gestik, Sprache, Gang, Verhalten u.a.
  5. Erfassung der Krankheitsgeschichte und gesundheitsgefährdenden Prädispositionen
  6. Reiz-Reaktions-Analyse intensiver Erfahrungen und Herausforderungen Ihres Lebens
  7. Ermittlung der Geist und Psyche prägenden Kernqualitäten Sattva, Rajas und Tamas

 
In unserer Ayurveda Privatpraxis können Sie eine ayurvedische Tiefenanalyse Ihrer Konstitution durchführen lassen:

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